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Ein grauen zieht durch den Blätterwald

Alles Banane?

„Ein Grauen zieht durch den Blätterwald. Wo er eintrifft werden die schlimmsten Befürchtungen wahr. Stetig, unnachgiebig und ohne Gnade schlägt er zu. Was er hinterlässt, gleicht verbrannter Erde.“
Was sich wie die Romanvorlage eines Horrorstreifens liest, wird im Moment für viele Besitzer von Bananenplantagen wahr. Die Rede ist von der gefürchteten Panamakrankheit.
Der Verursacher ist schnell ausgemacht, ein alter Bekannter, der schon einmal in wenigen Jahrzehnten, einen Großteil der weltweiten Bananenerzeugung vom Erdboden fegte.
Der unheimliche Gefährte hört auf den kryptischen Namen „TR4“, hinter der sich ein Pilz mit der wissenschaftlichen Bezeichnung „Fusarium oxysporum cubense“ verbirgt. Ein legendärer Nachkomme der unheilvollen Panamakrankheit, der schon einmal in den 1960er Jahren, für das Verschwinden der damals bedeutsamsten Bananensorte der Welt „Groß Michel“ verantwortlich war.

Ein genetischer Blindgänger

bananen2Damals, wie auch heute, wurden Bananen schon auf großen Flächen, vor allem in Costa Rica, Panama und Ecuador, in Monokulturen angebaut. Da die Banane schon früh zu einem begehrten Exportprodukt wurde, mit dessen Anbau sich eine Menge Geld verdienen ließ, waren Züchtung und Anbau, hauptsächlich wirtschaftlichen Interessen unterworfen. Hier war Ertrag wichtiger als Vielfalt. Und so wurde auch bei der Vermehrung auf rein vegetative Reproduktion gesetzt, da der Einsatz von Sprösslingen, der an sonst üblichen generativen Vermehrung, mittels Samen, viel schnelleren Erfolg brachte. Die Nachkommen dieser Pflanzen sind dadurch Klone, wie auch die folgenden Generationen aus den erbgleichen Bausteinen derselben Pflanze bestehen.
So bilden Bananen, die ohne Befruchtung mittels Bestäubung angebaut werden, keine Samen mehr aus und werden steril. Diese mangelnde genetische Vielfalt war damals, wie heute ein verhängnisvoller Fehler im Umgang mit Kulturbananen. Als der Erreger 1895 in Costa Rica und Panama erstmals auftrat, war das Schicksal der „Groß Michel“ beschlossen.

Herrschaft der Konzerne

Bananen3Zwei große Unternehmen beherrschten von Anfang an das Bananengeschäft und kontrollierten damit auch die Preise für Anbau und Verkauf. Die ärmlichen Verhältnisse der Landbevölkerung ließen es zu massenhaft billige Arbeitskräfte für die Plantagen anzuwerben.
Konzerne wie „Standard Fruit “ und „United Fruit Company“ wurden so mächtig, dass sie sogar die Gesetzgebung einiger Staaten Mittelamerikas beeinflussten, um Land für Großplantagen günstig zu erwerben.
So lag die kommerzielle Nutzung in den Händen derer, die im Wesentlichen von der Abhängigkeit der Erzeugerländer profitierten. Mit den Monokulturen gelangten auch die ersten Krankheiten auf die Plantagen, welche mit einem flächendeckenden Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmittel beantwortet wurde. Für die Landarbeiter, die ohnehin schon unter den eklatanten sozialen Missständen litten, gesellten sich nun auch noch unkontrollierbare, gesundheitliche Gefahren hinzu. Pilzkrankheiten wie „Yellow“ oder „Black Sigatoka“ wurden mit einem massiven Aufgebot verschiedenster Chemikalien bekämpft, während sich an den Anbaumethoden nichts grundlegend änderte.

Die Natur schlägt zurück

Als die Panamakrankheit aufschlug war man unvorbereitet und ratlos. Der neue Pilz (TR1) reagierte auf keines der bekannten Schutzmittel und ließ die Stauden schon nach kurzer Zeit dahinwelken. Vor allem auf den großen Plantagen Mittel-und Südamerikas, die wesentlich für den Export nach Übersee bestimmt waren, sollte das Ende der modernen Kulturbanane nahe sein. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam eine wirtschaftliche Nutzung der bekannten Sorte „Groß Michel“ nicht mehr in Frage. Die Rettung erschien 1953 in Form einer unscheinbaren Neuzüchtung, die durch ihre natürliche Resistenz gegen Pilzerkrankungen, binnen weniger Jahre, weltweit eingeführt wurde. „Cavendish“, benannt nach dem englischen Duke von Cavendish (Devonshire), der schon im 18. Jahrhundert Bananen in seinem Garten anpflanzen ließ, ist heute die führende Sorte im kommerziellen Anbau von Zuckerbananen. Doch nun scheint auch diese Züchtung bedroht.
Denn auch sie ist wie ihr großer Bruder damals, der neuen Seuche hilflos ausgeliefert. „Tropical Race 4“, der wie sein Vorgänger vermutlich aus Asien stammt, hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Der hartnäckige Pilz durchdringt das Wurzelsystem der Pflanzen und stört die Wasser-und Nährstoffversorgung, wodurch die Pflanze kurze Zeit später abstirbt. Vor allem Indonesien und Malaysia sind betroffen. Auf den Philippinen schrumpft die jährliche Bananenproduktion derzeit um besorgniserregende 7%.

Alternativen „Fehlanzeige“

bananen4Denn leider ist auch „Cavendish“ wie einst ihr ruhmreicher Bruder eine infertile Hybride, ein Klon, der aufgrund seiner mangelnden genetischen Eigenschaften auch besonders anfällig für die neue Seuche und deren Verbreitung ist. Für den Pilz, der 1992 erstmals in Taiwan auftrat, wird diese Züchtung höchstwahrscheinlich zu einer süßen Verführung werden, falls man keine geeignete Strategie ermittelt, sogar zu einem gefundenen Fressen. Dabei gibt es kaum Alternativen, denn für eine wirtschaftliche Nutzung kommen derzeit keine nennenswerten Sorten in Betracht. Große Unternehmen wie Chiquita oder Fyffes setzten allzu selbstsicher nur auf eine ertragsstarke Kultursorte, während die Einseitigkeit bei Züchtung und Anbau niemals thematisiert wurde. Da die Entwicklung neuer Kultursorten sehr teuer und zeitaufwendig ist, soll das Auslaufmodell „Cavendish“ nun, wenn es nach dem Willen großer Saatgutkonzerne geht, durch eine „transgene“ Variante ersetzt werden. Hier lassen sich die gewünschten Ergebnisse schnell und kompromisslos erzielen. So spielen Nachhaltigkeit und umweltverträglicher Anbau weiterhin keine Rolle. Auch wenn es sich hier vermeintlich um den Schutz und Fortbestand der modernen Kulturbanane handelt lautet die Devise im Tagesgeschäft der Konzerne noch immer „business as usual“.

Autor: A.Schedlbauer

Quellennachweise:
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/lebensmittel-produktion-gift-gefahr-durch-bananen/6629862-4.html
http://www.focus.de/wissen/technik/gentechnik/tid-27146/forschung-und-technik-medizin-die-banane-hat-keinen-sex-bananenseuche-mit-weltweiten-folgen_aid_811950.html
http://www.transgen.de/forschung/409.pilzkrankheiten-banane.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article129134900/Freiwillige-testen-erstmals-genmanipulierte-Bananen.html
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pilz-tr4-bedroht-weltweite-produktion-von-cavendish-bananen-a-940403.html
http://www.spektrum.de/news/eine-welt-ohne-bananen/1344368
http://www.bananen-seite.de/Bananen/geschichte.html

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